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Geschäftsadresse, Co-Working-Space & Post-Service

Ist es legal, eine Geschäftsadresse zu mieten?

Die Frage, ob das Mieten einer ladungsfähigen Geschäftsadresse legal ist, berührt eine komplexe Schnittstelle zwischen Geschäftsbedürfnissen, Datenschutzanliegen und rechtlichen Anforderungen. Globale Präsenz und Flexibilität sind von enormer Relevanz. Daher bieten Dienstleister ladungsfähige Adressen als Lösung für eine prestigeträchtige Firmenadresse oder zur Wahrung der Privatsphäre an. Doch inwieweit ist diese Praxis im Einklang mit der Rechtsprechung, insbesondere nach den jüngsten Urteilen des Bundesgerichtshofs (BGH)? 

April 2022: Die Anerkennung der c/o-Adresse

Im Urteil vom April 2022 (VIII ZR 262/20) befasste sich der BGH mit der Frage, ob eine c/o-Adresse als ladungsfähige Anschrift für die Zwecke einer Klageerhebung dienen kann. Der Fall betraf eine rechtsfähige Stiftung, die in ihrer Klageschrift eine c/o-Adresse angegeben hatte, welche die Adresse eines Rechtsanwalts war. Die untergeordneten Gerichte hatten die Klage als zulässig erachtet, und der BGH bestätigte diese Auffassung.

Die wichtigsten Aspekte des Urteils:

  • Wirksame Zustellung: Der BGH stellte fest, dass eine c/o-Adresse die Anforderungen an eine ladungsfähige Anschrift erfüllen kann, wenn sie eine wirksame Zustellung ermöglicht. Dies bedeutet, dass die Post den Kläger tatsächlich erreicht.
  • Eindeutige Identifizierung: Die Identität des Klägers muss durch die Angabe der Adresse klar und zweifelsfrei feststellbar sein. Im vorliegenden Fall war dies gegeben, da die Adresse zu einer Rechtsanwaltsgesellschaft gehörte, bei der der Vorstand der klagenden Stiftung tätig war.
  • Berechtigte Interessen: Der BGH erkannte an, dass es legitime Gründe geben kann, eine c/o-Adresse zu verwenden, insbesondere wenn die Offenlegung der tatsächlichen Adresse schutzwürdige Interessen verletzen würde.

Juli 2023: Präzisierung der Anforderungen

Das Urteil vom Juli 2023 (Az. 210/22) baute auf der vorherigen Entscheidung auf und präzisierte die Anforderungen an ladungsfähige Adressen weiter. In diesem Fall ging es um eine Klägerin, die eine Adresse eines Postweiterleitungsdienstes angegeben hatte, aber nicht physisch an dieser Adresse anwesend war.

Die relevanten Aspekte dieses Urteils:

  • Physische Präsenz: Der BGH hob hervor, dass für eine ladungsfähige Anschrift eine tatsächliche physische Präsenz des Adressaten oder zumindest die Möglichkeit der persönlichen Zustellung an den Adressaten gegeben sein muss. Dies impliziert, dass die Adresse mehr sein muss als nur ein Briefkasten oder eine Durchgangsstation für Post.
  • Effektivität der Zustellung: Das Urteil betont, dass es für die Rechtssicherheit und den effektiven Rechtsschutz notwendig ist, dass Dokumente dem Adressaten persönlich und nicht nur symbolisch zugestellt werden können. Das Gericht machte deutlich, dass eine ladungsfähige Adresse die Gewähr bieten muss, dass der Adressat die Post auch tatsächlich erhält und darauf reagieren kann.

Wie lassen sich die Kriterien des BGH erfüllen?

1. Sicherstellung einer physischen Präsenz

  • Bereitstellung eines physischen Standorts: Der Dienstleister oder das Unternehmen muss einen physischen Standort bereitstellen, an dem tatsächlich Personen anwesend sind, die im Namen des Unternehmens Post entgegennehmen können.
  • Co-Working-Space: Wenn der Dienstleister zusätzlich zu einer Postadresse Zugang zu einem Co-Working-Space bietet, kann dies die Anforderung einer physischen Präsenz erfüllen. Wichtig ist, dass der Kunde (oder ein Vertreter) tatsächlich in der Lage ist, den Co-Working-Space zu nutzen und dort persönlich erreichbar ist.

2. Möglichkeit der persönlichen Zustellung

  • Klare Vereinbarungen zur Zustellung: Es muss eine klare Vereinbarung oder Prozedur geben, die sicherstellt, dass Dokumente, die einer persönlichen Zustellung bedürfen, auch tatsächlich dem Adressaten (oder einem bevollmächtigten Vertreter) übergeben werden können.
  • Zustellungsbevollmächtigung: Die Ernennung eines Zustellungsbevollmächtigten, der vor Ort ist und rechtliche Dokumente entgegennehmen kann, ist eine mögliche Lösung. Dies erfordert eine formelle Vollmacht und ggf. eine Benachrichtigung an das zuständige Gericht oder die Gegenpartei.

3. Transparente Dokumentation und Nachweisbarkeit

  • Dokumentation der Adresse und ihrer Nutzung: Die Art und Weise, wie die Adresse genutzt wird, sollte klar dokumentiert und nachweisbar sein. Dies beinhaltet die Dokumentation darüber, wie die Zustellung von Dokumenten gehandhabt wird und wie die physische Präsenz gewährleistet ist.
  • Kommunikation gegenüber Dritten: Die Nutzung der Adresse und die Modalitäten ihrer Nutzung sollten gegenüber Dritten (z.B. Gerichten, Geschäftspartnern) transparent gemacht werden. Dies umfasst die Offenlegung einer Zustellungsbevollmächtigung, wenn eine solche besteht.

4. Effektive Zustellprozesse

  • Einrichtung eines effektiven Zustellprozesses: Der Dienstleister sollte einen Prozess einrichten, der die schnelle und effektive Weiterleitung von Dokumenten an den Kunden gewährleistet. Dies kann digitale Scans von Dokumenten für eine sofortige Benachrichtigung und die physische Weiterleitung einschließen.
  • Notfallpläne: Für den Fall, dass der Hauptansprechpartner nicht verfügbar ist, sollten Notfallpläne existieren, die sicherstellen, dass Zustellungen dennoch effektiv gehandhabt werden.

Fazit: Ist es legal, eine Geschäftsadresse zu mieten?

Ja, das Mieten einer Geschäftsadresse ist legal, sofern die Adresse eine effektive rechtliche Zustellung ermöglicht, eine physische Präsenz des Adressaten oder seines Vertreters gewährleistet und diese Nutzung transparent und nachweisbar gestaltet wird.

Entscheidend ist, dass die gemietete Adresse über bloße Postweiterleitung hinausgeht und den rechtlichen Anforderungen an eine ladungsfähige Anschrift entspricht. Dienstleister und Nutzer müssen dabei sicherstellen, dass alle rechtlichen Kriterien erfüllt sind, um rechtliche Risiken zu vermeiden.

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